Der Autor

Thorsten Reiter

Thorsten Reiter

a passion to empower

Stell dir vor es ist War for Talents… und keinen interessiert’s!

Wir alle haben schon unzählige Male von ihm gehört: der War for Talents. Also der Wettkampf zwischen Unternehmen um die hellsten Köpfe, die High-Potentials, die Outperformer und die Future Leaders of the Universe. Überall schreien sie es von den Podien, schreiben es sich auf die Homepage und wiederholen wiederholen wiederholen die selben Phrasen. Doch Absolventen und Bewerber mit noch wenig Berufserfahrung also die, die hauptsächlich Potential und wenig Performance im CV haben, kriegen so gut wie nichts davon mit. Über einen dilettantisch geführten Wettbewerb und verpasste Chancen.

Bei MBC haben wir das Glück zwischen den beiden Fronten des War for Talents vermitteln zu können. Auf der einen Seite steht ein Netz aus unzähligen Absolventen sowie Young Professionals und auf der anderen Seite junge sowie etablierte Unternehmen – und beide klagen: Die einen wollen tolle Einstiegsjobs mit Entwicklungsmöglichkeiten und die anderen wollen tolle Jobeinsteiger mit Entwicklungspotentialen.

Ein voller Teller

Einen vollen Teller mit Selbstgekochtem: das erwarten Absolventen beim Berufseinstieg

Was läuft da falsch? Sollte es nicht ein Leichtes sein, diese beiden Fronten zu einer Einheit werden zu lassen und einen fetten Mediatoren-Scheck mit nach Hause zu nehmen? Leider ist es das nicht. Denn wie so oft scheitert eine von außen betrachtet einfache Problemstellung zwischen zwei Parteien an der Selbstwahrnehmung. Beide Seiten glauben, doch alles richtig zu machen und es benötigt einen Außenstehenden, um beiden zu vermitteln, dass gut gemeint leider wie so oft nicht gut gemacht ist. Es ist also letztlich die neue Version eines alten Liedes von Selbstüberschätzung und Ignoranz.

Verpasste Chancen

Auf der einen Seite haben wir die Unternehmen, die häufig ein relativ schizophrenes Verhältnis zu Ihren Bewerbern haben. Auf der einen Seite wollen sie nur die Besten der Besten, bieten aber im Großen und Ganzen durch die Bank weg dieselben Einstiegsprogramme und Vergütungssysteme an. Sieht so eine Differenzierungsstrategie aus, meine Herren? Ich glaube nicht. Dabei erlebt gerade die deutsche Industrie eine Renaissance was ihre Beliebtheit unter Studenten angeht. Immer weniger Absolventen interessieren sich für Professional Services und orientieren sich beispielsweise an der Technologiebranche – eigentlich ein Heimspiel für die Deutschen.

Doch die Realität sieht ganz anders aus. Anstatt diese Chancen zu nutzen, wird auch hier ein Einheitsbrei an Einstiegsprogrammen geboten. Schwer zu erkennen sind beispielsweise Trainee-Programme, die wirklich Führungspersonal ausbilden sollen und Personal-Marketing-Instrumente, in denen die Bewerber erst mal rumkutschiert werden, um dann dennoch erst nach maximal drei Jahren (!) als „Talente“ klassifiziert zu werden. Nach dem Motto: Erst mal im Betrieb drei Jahre lagern lassen, dann ist der Wein sicher besser.

Gibt es gar keine Talente?

Oder liegt das Problem etwa auf Seiten der Bewerber? Sind die Sinne der Absolventen so umnebelt vom Generation-Y-Geschwafel, dass sie glauben, man müsse Ihnen den roten Teppich ausrollen, nur weil sie drei Praktika gemacht und sich einmal in Finnland durchs Erasmusprogramm gesoffen haben?

Fast Food

…was sie geboten bekommen, ist jedoch meist nur Fast-Food-Einheitsbrei.

Leider muss auch hier angemerkt werden, dass die universitäre Ausbildung – gerade was die Wirtschaftswissenschaften angeht – in Deutschland einen viel geringeren Fokus auf die sogenannte „Employability“ hat, als dies beispielsweise im angelsächsischem Raum der Fall ist. Wer glaubt, im Büro lediglich mit seinem Vorgesetzten über hochtrabende Konzepte zu diskutieren, wird relativ schnell auf den Boden der Tatsachen zwischen Mails und Meetings zurückgeholt.

Deutschland – ein Land mit System

Doch wie so oft, ist das Ganze auch auf ein grundlegendes Kulturproblem zurückzuführen, das durch die gesteigerte Diskrepanz zwischen globalisierter Arbeitskultur und deutschem Systemdenken ausgelöst wird. Das Individuum zählt hierzulande weniger, als das System, das es auffangen soll und in die richtigen Bahnen lenken soll. Individualität fehlt komplett, gerade wenn es um den Berufseinstieg geht. Die meisten Firmen gehen nämlich davon aus, dass sich die Potentiale deutscher Absolventen in einem relativ kleinen Intervall verteilen. Eine Masse an Outliern, nach der es sich zu Fischen lohnt, wird nicht erwartet.

Genau da liegt aber der Trugschluss. Absolventen der deutschen Universitäten lassen sich vom geistlosen Auswendiglerner bis zum geniehaften Alleskönner einordnen. Es muss nur entsprechend genau hingesehen werden. Wer aber lediglich Einstiegsprogramme anbietet, die sich an die breite mittlere Masse richten, wird auch nur das auf den Tisch bekommen: Mittelmaß. So wandern die wirklichen High-Potentials ins Ausland oder zu den Firmen ab, die eine Kultur der individuellen Stärken tatsächlich leben und den Wettbewerb – den War for Talents – ernst nehmen.

War for Talents – not so much!

Fakt ist: Der War for Talents existiert nicht. Zumindest nicht so, wie er verkauft wird. Wenn Unternehmen sich langfristig von Wettbewerbern absetzen und nachhaltig innovativ bleiben wollen, muss die Strategie hierfür schon bei der Bewerbung um Absolventen beginnen. Individualisierte Einstiegsprogramme und eine weniger dilettantische Herangehensweise im HR würden hier bereits einiges bewegen. Wenn sich die deutsche Kultur dann auch noch hin zu einem größeren Vertrauen gegenüber dem Individuum und weg von der blinden Systemhörigkeit verschieben würde, könnten wir fast schon mithalten, wenn es darum geht gebotene Chancen auch zu nutzen.

Was sind eure Erfahrungen mit Bewerbern? Wie sieht es mit den Unternehmen aus? Teilt, diskutiert und kommentiert! :)

Mein erstes Buch „Start Up – jetzt!” ist fertiggestellt!

Start Up - jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen

Start Up – jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen

 

Nach fast einem Jahr des Schweigens kann ich es endlich ankündigen: Mein erstes Buch ist fertiggestellt und es trägt den Titel “Start Up – jetzt!“. Das war’s eigentlich auch schon mit den Ankündigungen, denn was genau im Buch steht, wie ich dazu kam, welche Geheimnisse ich ausplaudere und alles weitere rund um das Thema Unternehmertum ist noch TOP SECRET. Natürlich gibt es viele Menschen, denen mein größter Dank gilt, denn auch sie haben auf ihre Art und Weise zu diesem Buch beigetragen; wer sie sind, kann ich leider auch noch nicht verraten – es bleibt alles sehr sehr spannend!

Nur so viel schreibt der renommierte Campus Verlag ,indem “Start Up – jetzt!” erscheinen wird, über den Inhalt: „Was einen Unternehmer ausmacht, was eine Idee braucht damit sie zum tragfähigen Konzept für ein Start-up wird: Alles Wissen für eine erfolgreiche Gründung vermittelt Reiter in seinem Buch. Vor allem begeistert er seine Leser für das Unternehmertum, denn es gibt keinen falschen Zeitpunkt, um Träume zu verwirklichen.“

„Start Up – jetzt!“ wird Ende des Jahres auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt und ist ab dem 10.09.2014 im Campus Shop, auf Amazon und natürlich auch in allen Buchhandlungen vor Ort erhältlich. Es erscheint in der brandneuen Reihe „Campus Smart“, die sich explizit mit Businessthemen der Generation Y auseinandersetzt. Das gedruckte Buch kommt mit einem gratis E-Book sowie dem Zugang zu einem meiner Webinare, die ich ab Oktober 2014 komplementär und in Kooperation mit dem Campus Verlag anbieten werde!

Ihr könnt das Buch schon jetzt hier vorbestellten oder euch den Termin vormerken – ich werde rechtzeitig weitere Ankündigungen machen, damit niemand den Start des Buches verpasst! Denn natürlich hoffe ich auf zahlreiche positive Bewertungen und viele glückliche Leser, die mit „Start Up – jetzt!“ vielleicht den Schritt in die Selbstständigkeit wagen!

Neue Homepage von MBC + Vorstellung unserer Affiliates

Hier noch einmal Werbung in eigener Sache: Wir haben den Inhalt unserer MBC-Homepage umgestellt! Jetzt können unsere Klienten noch schneller sehen, wie wir sie unterstützen können und welche Leistungen wir anbieten! Außerdem sind wir stolz unsere Affiliates in 4(!) verschiedenen Ländern vorzustellen: Anosh, Christopher, Matteo, Utsav und Thibault sind für unsere Kunden in den USA, Italien, Frankreich und China jederzeit ansprechbar und unterstützen sie nicht nur mit ihrer Industrieexpertise sondern auch mit ihren Kenntnissen der jeweiligen Märkte. Wir freuen uns sie im Team begrüßen zu können und auf viele Besucher auf unserer HP!

Mannheim Business Consulting

Was wollen die nur?! “Karriere trifft Sinn” Studie der Medienfabrik

Was die Generation Y von Ihrer Karriere und dem Arbeitsalttag erwartet ist schon lange Ziel zahlreicher Spekulationen. Nun hat die Medienfabrik eine Studie veröffentlicht, die genau diesen Wünschen auf den Zahn fühlen soll. Zu genaueren Details der Studie geht es hier. Für alle, die lieber gucken anstatt zu lesen, hier die durchaus ansprechende Infografik von embrace.

Karriere trifft Sinn - Infografik von embrace

Karriere trifft Sinn – Infografik von embrace

 

Mit Vollgas nirgendwo hin – na und?

Immer wieder höre ich in Diskussionen sowie im persönlichen Mentoring, dass eine große Anzahl an Vertretern der Generation Y nicht wissen wohin. Sie sind top ausgebildet, jeder war im Ausland, jeder hat tolle Pratika und jeder war an einer Uni/Hochschule, die in irgendeinem Ranking in irgendwas Weltklasse ist. Aber wohin sie wollen und warum sie das tun, wissen die meisten nicht. Dies allein ist schon eine Geschichte, die es Wert ist, zu erzählen: Denn was noch schlimmer ist, als das Gefühl nicht zu wissen wohin, ist die falsche Annahme, damit alleine zu sein.

Überflieger ohne Navigation?

Überflieger ohne Navigation?

Individuell, planlos und allein

Um die ganzen höchst individualisierten Einzelkämpfer, die ohne kollektive Ideale und Ziele in der bedeutungslosen Konsumgesellschaft umherschwirren, steht es nicht ganz so gut. Zumindest hin und wieder nicht, wenn die Frage aufgeworfen wird: „Ja und was willste‘ dann damit machen?“ „Keine Ahnung.“ Das ist die häufigste Antwort auf diese Frage. Wie ausgeprägt, lang- bzw. kurzfristig sich das „keine Ahnung haben“ auswirkt, variiert natürlich zwischen Personen und über die Zeit hinweg. Das tiefe Unwohlsein, trotz der eigenen „großartigen“ Leistungen (oder eventuell sogar gerade ohne diese) orientierungslos zu sein, nagt an der Persönlichkeit und macht die „Happy-Sharing-Around-The-World-Stimmung“ kaputt – genau wie Putin.

Auch Luxusprobleme sind Probleme

Sarkasmus beiseite: Ich will ich diese Probleme gar nicht trivialisieren, denn auch Luxusprobleme sind echte Probleme. Das faire an unserer Welt ist nämlich, dass genau wie Glück auch Unglück relativ ist. Das bedeutet, dass auch wenn die Probleme einer Wohlstandsgesellschaft, weltweit gesehen keine sind, so sind wir mit unseren 2,35 Autos und 1,5 Immobilien pro Familie nicht glücklicher als jene, die viel weniger haben.

Immer wieder kommen Generationsgenossen auf mich zu, und teilen mir mit, wie verloren sie sich fühlen. Deswegen möchte ich gerne meine Perspektive auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ teilen. Ich hoffe, dass sie dem ein oder anderen etwas Mut macht und sie/ihn motiviert, weiterzumachen – auch ohne Plan. Denn: 1. Du bist nicht alleine, 2. Du kannst nichts dafür und 3. Das ist auch gar nicht schlimm.

1. Du bist nicht alleine

So wenig einzigartig wie wir während unseren Höhenflügen zu sein glauben, so wenig einzigartig sind wir auch dann wenn wir am Boden liegen. Ob das jetzt hilfreich in einer Gesellschaft ist, die um jeden Preis einzigartig, individuell und ganz besonders sein will, weiß ich nicht. Ich glaube aber, gerade wenn es um dieses Thema geht, verschafft es ein wenig Beruhigung, zu wissen, dass es jedem Zweiten so geht. Sich selbst realistisch zu betrachten und alle Illusionen der Einzigartigkeit mal bei Seite zu schieben, muss nicht immer deprimierend sein, sondern kann auch helfen, die Panik etwas zu reduzieren.

Ein falsches Bild der anderen

Hinzu kommt, dass wir – obwohl wir ja so einzigartig sind – uns ständig mit anderen vergleichen. Egal ob durch Success-Stories in irgendwelchen Magazinen oder in 20-Minuten-Intervallen auf Facebook. Das Resultat ist keine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, sondern ein verzerrtes Bild der Realität. Niemand hat ein so problemfreies Leben, wie es der Facebook-Account vermuten lässt. Durch die selektive Zurschaustellung allein der großartigen Momente, wird eine parallele Realität um uns aufgebaut, die keine ist. Sich an ihr zu messen, ist schlicht weg Betrug an der eigenen Persönlichkeit und nur schädlich.

Was darf's denn sein?

Was darf’s denn sein?

2. Du kannst gar nichts dafür

Warum wir nichts dafür können, möchte ich einmal aus entscheidungstheoretischer Perspektive betrachten. Vor jeder Entscheidung zu Handeln, müssen die Optionen ausgewertet werden, gemäß den eigenen Präferenzen. Dies ist der grundlegende Schritt einer jeden fundierten Entscheidung. Und schon hier stecken zwei Probleme der meisten Gen Y’ler verborgen. Erstens: Die Optionen können nicht klar überblickt werden. Und zweitens: Die eigenen Präferenzen können aufgrund des fehlenden Überblicks nicht herausgebildet werden. Das heißt, wer nicht weiß was er will, kann sich nicht dafür entscheiden und wer nicht weiß, was es gibt, kann nicht wissen, was er will.

Fehlende Informationen und Karriere-Bullshit-Bingo

Fehlende Informationen über Berufsfelder, Karrierewege etc. erschweren die grundlegende Ausgangslage noch weiter. Hier konnte auch das in den letzten Jahren unglaublich aufgebauschte Karrieremarketing nicht weiterhelfen. Denn alles, was uns das Marketing suggerieren will ist, dass eine Karriere als Buchprüfer zu täglichen Herausforderungen führt und den Kandidaten über sich selbst hinauswachsen lässt. Das Ganze hat aber leider einen Informationswert von Null und was der Buchprüfer den lieben langen Tag macht, wird trotzdem nicht verraten – vielleicht mit Absicht.

Die Überwindung der Social Desirability

Ein weiteres Problem in der Entscheidungsfindung, ist die sogenannte Social Desirability, also das unwillkürliche Verfärben der eigenen Präferenzen durch soziale Einflüsse von außen. Sprich: Wir wollen oft die Dinge, die alle anderen wollen. Nicht, weil sie sonderlich erstrebenswert sind, sondern weil alle anderen Sie ja auch wollen. Und die Herde kann sich ja nicht irren. Anstatt also selbst nachzudenken, folgt das verlorene Schaf Mensch der Herde. Das ist sicherer und mit weniger Aufwand verbunden. Sich von äußeren Einflüssen frei zu machen, ist aber nicht nur unglaublich schwer, sondern auch unerlässlich. Dies gilt zumindest für Entscheidungen, die entlang der Paramente getroffen werden sollen, die den Entscheider selbst glücklich machen. Wir müssen uns also fragen, was wir selbst wollen – losgelöst von dem, was andere wollen.

3. Das ist auch gar nicht schlimm

Kommen wir zum letzten Punkt: Das Ganze ist (obwohl wir anerkennen müssen, dass es ein reales Problem ist) überhaupt nicht schlimm. Jemandem, der wie im oben genannten Text ausgebildet ist, wird das eigene Leben nicht mehr komplett engleisen, nur weil er oder sie mal nicht weiß, wohin oder warum. Und selbst jene, die es erst im zweiten, dritten oder vierten Anlauf hinkriegen, sind nicht verloren. Die Tatsache, dass sie in einem freien westlichen Land aufgewachsen sind, in dem die Wirtschaft auch noch robust funktioniert, bietet unzählige Chancen. Jeder findet irgendwann seine Nische.

Das Leben ist kein Facebook-Profil

Und selbst wer umgeben ist von Menschen, die ihre Entscheidungen ohne Zögern treffen, sollte sich bewusst sein, dass die meisten Entscheidungen nur das Ergreifen gebotener Chancen sind. Eine „richtige“ Entscheidung wird tatsächlich immer erst im Nachhinein, durch Rechtfertigung mit diesem Prädikat geadelt. Nicht umsonst sagte Jobs, dass „die Dots nur in Retrospektive connecten werden können“. Was er eigentlich meinte war: „Jetzt bin ich erfolgreich und alles was ich bisher gemacht habe, habe ich vor meinem Erfolg gemacht und daher muss es ja auch irgendwie etwas mit meinem Erfolg zu tun haben – oder nicht?! Naja, jedenfalls macht es meine Rede besser.“

Alles andere ist ein Zurechtlegen des eignen Lebenslaufes in einer willkürlichen Abfolge oder um die Illusion zu stärken, das eigene Leben ließe sich planen. Was wir im Zeitalter der professionalisierten Selbstdarstellung allerdings vergessen ist, dass sich das Leben eben nicht planen lässt. Das Leben ist schließlich kein Facebook-Profil.

Kein Stress!

Kein Stress!

So what?

Natürlich ist es großartig, wenn es junge Menschen gibt, die ganz genau wissen wohin es gehen soll. Doch auch sie sind von den Enttäuschungen, die eigenen Ziele mal nicht zu erreichen sowie beim Erreichen der Ziele festzustellen, dass sie gar nicht so erstrebenswert waren, auch nicht gefeit. Jeder sucht nach Chancen für sich selbst und ist dadurch aufmerksam, was um ihn geschieht. Daran ist nichts verkehrt. Es macht aber auch angreifbar für jene, die diese Suchenden ausnutzen wollen. Hier großen Versprechungen auf den Leim zu gehen, ist eine reale Gefahr.

Manchmal ist es für die eigene Motivation gar nicht so wichtig zu wissen, wie genau das eigene Leben einmal aussehen soll. Oft reicht es, zu wissen, wie es sich einmal anfühlen soll. Das gibt eine grobe Richtung vor und schütze vor Entwicklungen in die komplett falsche Richtung.

Aus Zweifel Fragen machen

Wenn wir unsere Wahrnehmung umstellen von dem Sammeln möglichst zahlreicher Errungenschaften hin zum Sammeln von Erfahrungen, sind wir auf dem richtigen Weg. Denn niemand kann uns diese Erfahrungen, Erkenntnisse, Freundschaften oder Netzwerke wieder nehmen. Wir tragen sie jederzeit und überall mit uns mit. So entsteht ein weiches Kissen, das uns schützt, sollten wir einmal stürzen. Das macht frei, auch mal ein Risiko einzugehen, Neues zu erleben und die Angst vor der nächsten Entscheidung hinter sich zu lassen. So verschwinden die Zweifel über die eigene Zukunft zwar nicht, aber sie verwandeln sich in Fragen – diese sind viel harmloser und vor allem kostenfrei.

Wenn Erfahrungen unter Vollgas nicht auf der Strecke bleiben und die Intensität des Lebens ebenfalls ausgereizt wird, sind wir alle dabei, uns ein sehr angenehmes Leben aufzubauen. Stück für Stück mit Nischen und genug Raum, für spontane Planänderungen. Vielleicht schaffen wir es mit der Zeit sogar, uns weniger darüber zu definieren, was uns unterscheidet und mehr über das, was uns verbindet.

 

“Was denken Sie über die Generation Y” – ein Rundumschlag

Vor einiger Zeit wurde ich von einer Generationsgenossin zu „meiner Meinung über das Thema Generation Y“ gefragt. Sie interessiere sich für das Thema aufgrund ihrer Tätigkeit bei einem Magazin und da die Frage nicht näher spezifiziert war, holte ich zu einem Rundumschlag aus. Die Arbeitswelt der Generation Y, das internationale Spannungsfeld in dem sie sich befindet sowie erste Prognosen für die Zukunft kamen hierbei auf meine rhetorische Richtbank. Der Text ist lang, wiederholt einige Punkte die ich bereits zuvor auf meinem Blog gemacht habe und ich poste ihn trotzdem: Alles andere wäre fatal. Viel Spaß beim Lesen.

Generation Y – eine Ikone

Generation Atlas?

Generation Atlas?

Seit einiger Zeit schon beschäftigen sich deutsche Personal- und Recruitingabteilungen großer Konzerne mit dem Thema Generation Y. Im letzten Jahr ist das Thema auch in den populären Medien angekommen und hat eine breite Öffentlichkeit mit etwas vertraut gemacht, wovon viele nie zuvor gehört hatten. Denn selbst Vertreter dieser Generation können oft nichts mit dem Begriff anfangen. Dieser Umstand ist bezeichnend für die Umgangsweise mit der Thematik: es wird viel über aber selten mit der Generation Y gesprochen. Auch wenn sich dies langsam ändert und sich durch den Dialog einige Vorurteile berichtigt haben sowie neue Eigenheiten dieser Generation zum Vorschein kamen, ist diese „neue“ Generation mit all ihren Eigenheiten eines schon jetzt: eine Ikone. Denn so sehr stilisiert wurden einst nur die 68er, was großes Potential entfesseln kann aber auch einige Risiken birgt.

Der Generation Y wird nachgesagt, dass sie durch ihre Erziehung und das Erwachsenwerden in einer freien westlichen Gesellschaft –  ohne materielle oder existenzielle Sorgen – andere Werte entwickelt hat, als Vorgängergenerationen. Die Aufopferung des Vaters für die Firma hatte Luxus und Wohlstand mit sich gebracht, es fehlte aber an Zeit und Priorisierung der Familie. Die von Kind auf abtrainierte „Hörigkeit“ gegenüber Autoritäten, die sich ausschließlich auf Ihre Seniorität stützen, ist hier nur ein Punkt, mit dem die Generation Y aneckt. Hinzu kommen die durch die Popkultur und den allgemeinen „westlich-modernen“ Erziehungsstil geschürte Kompromisslosigkeit und ein tiefer Idealismus. Anstelle von Träumen von Haus, Boot und Karriere treten Reisen, Freizeit mit Freunden und Familie sowie individuelle Entfaltungsmöglichkeiten.

Auswirkung auf die Arbeitswelt

Diese Eigenheiten, wirken sich auf alle Bereiche des operativen Geschäftes von Unternehmen aus. Da die Generation Y noch relativ am Anfang ihrer Karrierelaufbahn steht, sind zurzeit natürlich personaltechnische Fragen besonders interessant. Im Laufe der Zeit wird sich der Fokus der Diskussion verschieben, hin zu operativen sowie Führungsfragen. Wenn wir uns die Strukturen und Funktionsweisen der Betriebe im 20sten Jahrhundert und im ersten Jahrzehnt des aktuellen ansehen, so wirken die nachgesagten Eigenschaften der Generation Y sicherlich wie Sand im Getriebe und sind alles andere als Garant für einen Produktivitätsboom. Im Gegenteil, wenn Generationenkräfte in gegensätzliche Richtungen arbeiten, führt dies sicherlich zu Reibungsverlusten.

Die Frage ist aber, ob wir uns diese traditionelle Funktionsweise noch leisten können und wollen? Außerdem die Frage, wie die Generation Y ihre „Besonderheiten“ einbringt bzw. wie die existierende Arbeitswelt diese aufnimmt und zum gemeinsamen Vorteil nutzt. Denn zusätzlich zu den  Unterschieden zu früheren Arbeitnehmer kommt erschwerend hinzu, dass die Generation Y besonders durch ihre Heterogenität auffällt – in sich und zwischen einzelnen Ländern.

Generation Work-Life-Party?

Generation Work-Life-Party? (Foto: I. Haxhi-Kristo)

Die Generation Y – alles andere als homogen

Trotz globaler Kommunikation ist das Verständnis, was es bedeutet ein Vertreter der Generation Y zu sein, auf verschiedenen Flecken der Erde bei weitem nicht dasselbe. Die Generation Y ist ein Produkt ihres Umfelds und so sind ihre Eigenschaften je nach Umfeld unterschiedlich. Ich möchte gerne drei Beispiele nennen: Die Machtposition der Generation Y, die Themen der Generation Y und die Wünsche der Generation Y.

Während der demographische Wandeln in Deutschland diese bereits von Haus aus sehr selbstbewussten Generation in die Karten spielt, können junge Arbeitnehmer von diese Zuständen in anderen Teilen der Welt nur träumen. Vertreter der Generation Y in Indien oder China sehen sich einem Kampf um eine geringe langsam steigende Anzahl an Arbeitsplätzen gegenüber – egal wie hochqualifiziert sie sind. Ebenso kann ein wirtschaftlich schwaches Land wir Spanien seinen jungen Arbeitnehmern keine Zukunft bieten – hier geht es für Vertreter der Generation Y um die bloße Existenz. In den USA hängt es von der individuellen Ausbildung  des potentiellen Arbeitnehmers ab, ob und wie sehr er sich Ansprüche leisten und diese beim Arbeitgeber seiner Wahl durchsetzen kann.

Zusätzlich jedoch gilt auch für Deutschland, dass das verschobene Machtverhältnis zugunsten topausgebildeter Arbeitnehmer nur bedingt mit den Vertretern der Generation Y zu tun hat. Die Spitze der hochqualifizierten Arbeitnehmer musste sich noch nie Gedanken um Anstellung machen. Je nach Einschätzung des eigenen Wertes für das gewählte Unternehmen, steigen oder fallen die Ansprüche. Durch den demographischen Wandel und die resultierende Knappheit an Fachkräften, definieren wir „die Spitze“ heute jedoch weiter und das teilweise auch extern geschürte Selbstbewusstsein der Generation Y setzt hier noch einmal nach. Große Unternehmen haben hierzulande jedoch bereits lange festgestellt, dass sie sich mitten im „War for Talents“ befinden und passen ihre Angebote entsprechend an. Der Mittelstand ist hier wesentlich uneinheitlicher für diese Herausforderungen gewappnet.

Generation Global?

Generation Global?

Bleiben wir aber noch einen Moment im Vergleich mit den USA. Kulturelle Unterschiede haben selbstverständlich auch eine Auswirkung auf die Themen der Generation Y. Eine Forderung der deutschen Generation Y ist beispielsweise das sogenannte Work-Life-Blending, bei dem nicht nur noch „gelebt“ und „gearbeitet“ wird – wie durch die Work-Life-Balance suggeriert – sondern eine Vermischung der Arbeits- und Freizeit. Das Ziel ist ein Gesamtkonstrukt, das maximale persönliche Entfaltung des Individuums gewährleistet – trotz beruflicher Verpflichtungen. Eine solche Forderung entspringt einer hoch produktiven Arbeitskultur, die strikt zwischen Arbeits- und Freizeit trennt, dies aber mit entsprechend vielen Urlaubs- und freien Tagen vergütet. In den USA, einem Land mit längeren Arbeitszeiten und einer wesentliche geringeren Anzahl an Urlaubstagen, ist eine Vermischung des beruflichen und privaten Lebens daher fast schon vorprogrammiert. Die Tatsache, dass dort ein sogenanntes Work-Life-Blending also bereits schon je her zu einem gewissen Grad praktiziert wird, würde eine solche Forderung nicht annähernd so „revolutionär“ erscheinen lassen, wie hierzulande.

Doch selbst, wenn wir uns die Generation Y innerhalb Deutschlands ansehen, müssen wir feststellen, dass wir kein einheitliches Bild zeichnen können. Auf der einen Seite haben wir die freiheitsliebenden Individualisten, die sich lieber selbstständig machen als „für jemand anderen zu arbeiten“. Sie passen gänzlich in das populäre Bild vom post-materialistischen Idealisten, der lieber an seinen eigenen Träumen zu seinen eigenen Bedingungen arbeitet, als sich für einen Großkonzern zu „versklaven“. Auf der anderen Seite stellen wir jedoch fest, dass ebenso viele Vertreter dieser Generation so angepasst sind, wie kaum eine ihrer Vorgängergenerationen. Gerade bei der sogenannten „Spitze“ ist die Ausrichtung des eigenen Lebens an Karriere und einem lückenlosen Lebenslauf besonders ausgeprägt. Diese „Angst vor dem Scheitern bei so guten Chancen“ scheint nicht vereinbar mit den paradiesischen Aussichten auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Das Studium wird mit Ausland vollgepackt und durchgezogen, die Semesterferien mit Praktika zugestopft und es wird sich qualifiziert was das Zeug hält.

Generation Local?

Generation Local?

Äußerst angepasst oder so verschieden, dass nur der Weg in die Selbstständigkeit hilft – die Generation Y ist extrem und extrem unterschiedlich. Ich kann mir nicht anmaßen für eine ganze Generation zu sprechen aber von einem bin ich überzeugt: Diese Generation ist äußerst informiert und weitsichtig – vielleicht mehr als dies jemals eine Generation von ihr war. Sie können ihre Wünsche und Abneigungen sehr gut formulieren und diese entsprechend relativieren. Hierdurch werden sie zu hervorragenden Gesprächs- und Verhandlungspartnern. Firmen sollten sich genau dessen bewusst sein und den Vertretern der Generation Y auf Augenhöhe begegnen, sodass das Resultat für alle beteiligten optimiert werden kann – egal wie unterschiedlich ihre einzelnen Vertreter auch sein mögen.

Die Arbeitswelt der Generation Y in 20 Jahren

Schauen wir uns die Trends dieser Generation einmal an, können wir versuchen einige Vorhersagen zu ihrem Arbeitsalltag in 20 Jahren zu treffen. Arbeit wird wesentlich dezentraler stattfinden, gestützt durch professionelle sowie private Netzwerke. Ein guter Freund von mir, der in New York seine erste Stelle angetreten hat, arbeitet schon heute den größten Teil seiner Zeit von seinem Appartement aus. Dieser „Komfort“ kommt auf der anderen Seite jedoch mit einer erschwerten sozialen Kontaktaufnahme einher. Daher verlässt er sich auch hier auf entsprechende soziale Netzwerke, um dies auszugleichen.

Diese Netzwerkorientierung lässt sich auch auf die Unternehmenslandschaft in 20 Jahren übersetzen. Da ich mich besonders mit dem Thema Unternehmertum beschäftige, halte ich die Idee von vernetzten, hochspezialisierten und relativ kleinen Unternehmen äußerst spannend und realistisch. Vollständiger Zugang zu Informationen und erhöhter Wettbewerb, lassen den Druck auf alle Marktteilnehmer steigen. Große Firmen, ohne entsprechende Spezialisierung können nach klassischer Ausrichtung nicht mitthalten, da Entscheidungswege zu lang sind und entsprechende Risiken von Anteilseignern nicht getragen werden. Hier stellen dichte Netzwerke von kleinen, flexiblen Firmen oder einzelnen Unternehmern zukunftsfähige Ansätze dar.

Generation...jetzt sind mir die Bildtitel asugegangen.

Generation…jetzt sind mir die Bildtitel asugegangen.

Eine interessante Frage wird auch sein, wie sich die Beziehung von Mensch und Arbeitswelt verändern wird. Ob weniger gearbeitet oder die Arbeit facettenreicher wird, lässt sich abwarten. Dennoch stellen wir fest, dass heute ein großer Teil der Produktivität sowie der Vielfältigkeit des individuellen Arbeitnehmers nicht genutzt wird. Die Masse an produktiven Tätigkeiten außerhalb konventioneller Arbeitsbeziehungen, die sich vor allem im Internet darstellt, ist Beweis von nicht genutztem Potential. Wie Firmen diese „Talente“ der eigenen Mitarbeiter nutzen können, wird eine spannende Frage werden und in 20 Jahren hoffentlich geklärt sein.

Wird sie halten, was wir ihr zusprechen?

Ob die so vielseitig diskutierten Charakteristika der Generation Y wirklich zu Innovationen und sozialen wie ökologischen Revolutionen führen werden,  steht für mich in den Sternen. Die Generation Y ist schon jetzt eine höchst stilisierte Generation, eine Ikone, die unmöglich das halten kann, was ihr zugesprochen wird. Sie kann aber auch unmöglich so zerstörerische Auswirkungen haben, wie es ihre Kritiker fürchten. Fakt ist, dass diese Generation großes Potential in sich trägt. Potential aber „kann“ – muss nur leider nichts heißen. Denn gepaart mit großem prinzipiellem Idealismus kommt auch eine lethargisch-angepasste durch den individualisierten Konsum geförderte Isolation einher. Ich denke es liegt an allen Beteiligten offen für neue Ansätze zu bleiben und dennoch nicht blind jedem Trend zu folgen. So können wir gemeinsam eine Zukunft schaffen, in der alle Generationen gemeinsam gerne leben und arbeiten.

Was denkst DU über die Generation Y? Kommentare und Diskussionen erwünscht! Holt zum Rundumschlag aus! 

Gute Vorsätze für 2014: Work-Life-Blending vs. 4-Tage-Woche – auf jeden Fall weniger Arbeit!

Die Generation Y meckert ungebrochen am Status-Quo der Arbeitswelt. Bestärkt durch die gute Wirtschaftslage, gefördert durch das deutsche Bildungssystem und begünstigt durch den demografischen Wandel fühlt sie sich so stark wir nie, ihre Vorstellungen mittelfristig umsetzen zu können. Eine dieser Forderungen ist das sogenannte „Work-Life-Blending“, bei dem die Arbeit an den Bedürfnissen des einzelnen Ausgerichtet wird, sodass sie in das Alltagsleben integriert werden kann. Im Folgenden möchte ich diese Forderung einmal kritisch begutachten und stattdessen ein altes Konzept heraus kramen, das mein guter Vorsatz für 2014 wird: Weniger arbeiten!

German-World-Problems

Work-Life-Blending

Eine Forderung, die die Vertreter der Generation Y immer wieder formulieren, ist die Aufhebung der Trennung von strikter Arbeit und striktem „Leben“. Stattdessen soll diese mit dem persönlichen Leben verschmelzen und die Ypsilanten als Individuen im Gesamtkunstwerk aufgehen lassen. Der schöne Gedanke: Wenn zwischen „leben“ und „arbeiten“ nicht mehr unterschieden werden muss, erschaffen wir uns das „Freizeitparadies“ auf Erden.

Dies ist eine Forderung die hauptsächlich in Deutschland gestellt wird und in anderen Ländern – wie den USA – GenYlern völlig fremd ist. Warum ist das so? Nun – vor allem, weil das sogenannte „Work-Life-Blending“ dort bereits seit Jahrzehnten Gang und Gebe ist. Eine Kultur, die mit einem Anspruch auf lediglich 5 Tage bezahltem Urlaub im Jahr ins Berufsleben startet, ist auf ein solches Konzept angewiesen. (Zum Vergleich: In Deutschland sind es manchmal bis zu 30 Tagen!!!) Am Vormittag nochmal kurz zum Zahnarzt, weil in drei Monaten kein Termin zu kriegen ist, Lunch mit den Friends kann schon mal 2 Stunden dauern und die Telefonate mit der Fiancé zwecks Hochzeitsplanung können auf keinen Fall bis zum Abend warten.

Weniger Arbeit und mehr Produktivität

All das ist in Deutschland verpönt. Das Handy während der Arbeitszeit checken ist nicht und auch die Mittagspause bitte pünktlich beenden. Und wer zum Arzt muss – das geht auch an Urlaubstagen. Natürlich ist diese Darstellung etwas überspritzt, dennoch lassen sich die beiden Kulturen so recht gut vergleichen. Das Ende vom Lied ist jedoch ebenso bekannt wie überzeugend: Wir Deutsche arbeiten weniger, sind jedoch wesentlich produktiver als unsere angelsächsischen Freunde. Warum? Wir lieben Effizienz und das nicht nur bei unseren geliebten Maschinen. Die Fokussierung auf die Tätigkeit und die oben beschriebene Stränge, tragen genau hierzu bei. Die gesteigerte Produktivität liegt vor allem an der effizient genutzten Arbeitszeit. Ist das lustig und macht Spaß? Nein. Aber es bringt Geld ins Haus. Da freut sich Mustermann und Merkel.

Die Gefahren von Work-Life-Blending

Genau hier könnte das „Work-Life-Blending“ zu nicht gewollten Resultaten führen. Auf der einen Seite steht der Mensch, der irgendwann nicht nur nicht mehr zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden muss – sondern dies gar nicht mehr kann. Eine ständige Erreichbarkeit auch nach Feierabend, permanentes Aufarbeiten der Tagesaufgaben im Kopf und eine Belastung des gesamten Lebens durch stressige Phasen im Job könnten die Folge sein. Über Feiertage, Wochenenden, Feierabende und Ferien hinweg könnte sich der Job dann breit machen. Gesteigerte Ausfallraten, geringere Motivation und ein gestörtes Privatleben wären möglich.

Auch wenn sich der erste Teil mehr oder weniger im Feld der Spekulationen befindet, so sind die Folgen für die Unternehmensseite relativ schnell ersichtlich. Würden wir mit der existierenden Arbeitszeit ein „Work-Life-Blending“ einführen, würde dies in einer erheblichen Reduktion der Effizienz und somit der gesamten Produktivität der deutschen Wirtschaft führen. Es wird weniger Output generiert, Arbeitsplätze müssen abgebaut werden und von dem guten Wirtschafsklima können wir uns auch verabschieden.

Wird das Konzept „Work-Life-Blending“ also nicht entsprechend zu Ende gedacht, könnte aus dem schönen Gedanken von Kompatibilität der Frei- und Arbeitszeit eine Negativsummenspiel werden, das nur Verlierer kennt. Das findet dann Mustermann ebenso doof, wie Merkel.

Arbeit ist (nur) das halbe Leben…

Dabei gibt es einen viel simpleren Weg zu mehr Raum für persönliche Entfaltung und erhöhter Lebensqualität: weniger Arbeit! Ich bin nicht der Erste, der die Idee der 4-Tage-Woche aufbringt, allerdings muss ich mich fragen: Warum arbeiten wir denn immer noch 5 Tage in der Woche? Wer hatte denn bitteschön diese dämliche Idee 5 von 7 Tagen mit Arbeit zu verbringen?!?! Wäre ich nicht mit diesem Konzept aufgewachsen und würde sich nicht mein komplettes soziales Umfeld diesem beugen, so hielte ich das für einen verdammt schlechten Deal. 5 von 7 Tagen! Das sind mehr als 70% meines Lebens! Hallo?

Echte Alternativen?

Anstatt nun auch noch die restliche Zeit durch Work-Life-Blending mit in die Arbeitszeit einzugliedern, plädiere ich daher eher für eine Reduktion der Arbeitszeit auf 4 Tage in der Woche (erstmal). Arbeiten wir doch lieber von 8 bis 19 Uhr an vier Tagen der Woche (die meisten von uns arbeiten sowieso länger als das und zwar an 5 von 7 Tagen!!!) und haben dann FREItag frei – plus das gesamte Wochenende. Somit haben wir genug Zeit zur Erholung und können an drei freien Tagen eigenen Projekten nachgehen. Dies wiederum resultiert in einer gesteigerten Produktivität an den vier Arbeitstagen, mehr Motivation und langfristig (achtung haltlose Prognose!) gesteigertes Wachstum!

Viel zu lange befinden wir uns in der negativen Spirale von gesteigerter Produktivität durch Technologie, resultierendem Arbeitsplatzabbau und längeren Arbeitszeiten. Aber muss das sein? Lassen wir es doch gut sein, halten den Output konstant (oder fahren das Wachstum etwas herunter) und entlasten stattdessen die persönlichen Anforderungen an jeden Arbeitnehmer.

Überraschung: Deutschland ist kein Entwicklungsland

Wir leben in Deutschland in einer entwickelten Gesellschaft (zumindest dem Wohlstand nach). In einer solchen, müssen Ansprüche an das tägliche Leben sowie das Arbeitsumfeld entsprechend nachziehen. Wann immer es um „Luxusprobleme“ wie „zu viel Arbeit“ geht, schauen wir mahnend nach Ost und West um Vergleiche anzustellen, mit denen „die da aufholen“ bzw. schon jetzt viel innovativer sind und sowieso mehr arbeiten. Vergleiche, die jeder gerne anstellen kann, die jeder aber ebenso gerne als irrelevant bezeichnen darf. Schauen wir doch lieber nach Nord und Süd – besonders nach Nord. Die skandinavischen Länder sind uns schon lange um Welten voraus, wenn es um gesellschaftliche Modelle geht, die der Allgemeinheit ein besseres Leben verschaffen. Hohe Produktivität, Sauna und weniger Arbeit. Warum nicht auch hier?

Mein guter Vorsatz für 2014 ist klar: Weniger Arbeit. Ob durch Work-Life-Blending oder 4-Tage-Woche, das Wichtigste ist, dass der Mensch in einer entwickelten Gesellschaft genug Zeit und Energie hat, sich selbst zu verwirklichen und den Dingen nachzugehen, die ihm Freude bereiten. Denn, nur mal zur Erinnerung: Das war ja der Punkt des ganzen Aufwandes, der Industrialisierung und des Fortschritts und allem: Ein besseres Leben in Frieden und Wohlstand. Ich finde wir sind auf einem guten Weg und es lohnt sich konsequent weiterzugehen.

Happy New Year!

Ich wünsche allen Lesern einen guten Rutsch, ein frohes neues Jahr 2014 und dass wir alle dem Frieden und Wohlstand ein Stückchen näher kommen.

 „Aber! Aber! Aber!“ und warum es niemals dazu kommen wird

Ach… wären das schöne letzte Worte gewesen. Leider muss ich aber nochmal nachhaken. Ich kann schon die Fragen hören: „Meinst du das ernst?!“ „Aber das geht doch nicht! Was ist mit dem Wettbewerb, China und dem Rest der BRICs?“ Um dem vorwegzugreifen: Wie immer präsentiere ich hier nur Gedanken, die gerne diskutiert werden können. Ja, die Vor- und Nachteile beider Modelle halte ich für realistisch und dass weniger Arbeiten besser ist als mehr, ist ja wohl äußerst eingängig. Das Problem jedoch fängt schon beim Verfasser dieses Textes an, der selbst weder Wochenenden noch Urlaub kennt und von daher ist „weniger Arbeit“ auch für mich persönlich ein Ziel für 2014.

National oder gar global betrachtet, ist der Kapitalismus jedoch tatsächlich ein Wettbewerb. Um die gesamte Maschinerie abzukühlen und herunterzufahren, braucht es eine kritische Masse an Pionieren, die von sich aus kürzer treten. Sind dies Individuen, kommen sie wahrscheinlich nie an Führungspositionen in Unternehmen, um ihre Konzepte durchzusetzen. Handelt es sich um Unternehmen, werden diese vom Markt verschwinden, wachsen sie freiwillig anstatt 20% nur noch um 15%. Bei Staaten lauert der Bankrott und der Sog in die allgemeine Schieflage.

Um solche (prinzipiell wirklich beachtenswerten) Gedankengänge in Realitäten umzuwandeln, braucht es daher tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft und ihrer Kultur. Die Welt ist ein heterogener Ort und während die Generation Y und ihre Querelen hierzulande ein heißes Thema darstellen, dem ganze Kongresse gewidmet werden, könnte in Indien damit niemand einen Blumentopf gewinnen. Selbst in den USA ist die Thematik (hinsichtlich ihrer transformatorischen Eigenschaften was den Arbeitsmarkt betrifft) nicht mal annähernd so akut wie in Deutschland. Von daher verhält es sich mit diesem guten Vorsatz wie mit den meisten: Spätestens Mitte Januar ist alles wieder vergessen und vorbei – und das Hamsterrad dreht sich wie gewohnt weiter.

Deutschland – Land der Pioniere

Dies können aber auch auf keinen Fall die letzten Worte sein, die ich in diesem so großartigen und wichtigen Jahr 2013 veröffentliche. Schon aus Prinzip nicht! Deshalb folgender und letzter Gedanke:

Vielleicht hat ein Land, das sich trotz aller Widrigkeiten dazu entscheidet, das erste Land zu werden, das sich komplett durch regenerative Energien versorgt, Potential für noch Größeres. Vielleicht können Deutschland und wir alle unseren Teil dazu beitragen, dass unser Land tatsächlich ein Zukunftsstaat wird, indem wir alle gerne Leben und Arbeiten. Und auch wenn ich die Faktoren – so wie sie sind – rational anerkennen und die geringen Chancen auf Veränderung eingestehen muss, so darf ich dennoch eines: hoffen.

Auf ein hoffnungsvolles Jahr 2014 – Cheers!

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